
Pfarrer Büchel hat mich vor einigen Wochen gefragt, ob ich in der Fastenzeit ein Predigt halten kann. Nachdem ich ihm zugesagt habe, überlegte ich, was ich in dieser Predigt erzählen könnte.
Ich werde von meinem Leben erzählen, wie ich immer wieder Zeichen bekommen habe, die mich auch durch schwierige Phasen trugen.
Aufgewachsen bin ich als drittes von vier Kindern in Linz. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit, meine Eltern waren für die damalige Zeit sehr liberal. Mein Vater war durch eine Kriegsverletzung gehandicapt. Er konnte nur mit Krücken laufen, da ihm sein rechtes Bein kriegsbedingt fehlte.
Für uns Kinder war diese Situation ganz normal, wir kannten nichts anderes. Er konnte nicht mit uns draußen spielen oder Sport machen. Dafür war er für uns da, wenn es um die Hausaufgaben ging, er erzählte uns wunderschöne Geschichten und als wir größer waren diskutierte er mit uns über Gott und die Welt.
Für mich stand bald fest, dass ich den Lehrberuf ergreifen möchte und freute mich dass nach meiner Matura an der päd. Akademie zum ersten Mal das Sonderschullehramt angeboten wurde.
Durch die körperliche Behinderung meines Vaters war dieser Weg für mich ganz klar. Mein Vater hat mich nicht dazu überredet oder beeinflusst, er lebte mir ein Leben mit einer Körperbehinderung vor. Im Nachhinein gesehen, war es kein Zufall, dass ich diesen Weg gewählt habe.
Ich begann dann nach meiner Ausbildung in Linz in einer Körperbehinderten Schule zu unterrichten. Nach ein paar Jahren übersiedelte ich dann mit meinem damaligen Mann nach Vorarlberg. Ich unterrichtete in der Sonderschule Feldkirch und in Integrationsklassen in Götzis und Feldkirch-Gisingen.
In dieser Zeit kamen auch meine drei Töchter auf die Welt. Die mittlere Tochter Magdalena kam schwer mehrfachbehindert zur Welt. Dieses Ereignis war für mich kein Schicksalsschlag sondern ein ganz besonderes Zeichen, ein besonderes Kind wie Magdalena zu betreuen. Sie war in unserer Familie mit ganz viel Liebe eingebettet. Für Catharina und Theresa , die anderen beiden, war es ganz normal so eine Schwester zu haben.
In dieser Zeit lernte ich viele liebe Menschen kennen, die mich unterstützten und meine Prioritäten änderten sich. Schlechte Schulnoten von Catharina oder Theresa, eine zerrissene Hose oder ein anderes Missgeschick brachten mich nicht aus der Ruhe. Manche Lehrpersonen von meinen Töchtern schockierte ich mit der Aussage, dass es wichtigere Dinge auf der Welt gibt als gute Schulnoten.
Ich lernte durch Magdalena sehr viel für mein Leben . Ich lernte auch mit kleinen Dingen zufrieden zu sein, ich lernte in vielen Situationen positiv zu denken und im Hier und Jetzt zu leben.
Im Jahre 2002 bekam ich das Angebot Direktorin im Schulheim Mäder zu werden. Ich kannte das Schulheim sehr gut, da Magdalena 9 wunderbare Jahre dort verbrachte.
Als ich dann ein Jahr später das Dekret als Direktorin bekam, starb Magdalena eine Woche später. Für mich war das ein klares Zeichen von ihr : Mama du hast jetzt eine neue große Aufgabe, mich brauchst du jetzt nicht mehr.
Zur Beerdigung von Magdalena gestalteten einige Lehrpersonen aus dem Schulheim das Altartuch mit einem riesengroßen Schmetterling. Der Schmetterling stand bei der Beerdigung als Zeichen für Verwandlung in einen wunderschönen Zustand.
Als ich dann am Abend von der Beerdigung daheim die Schlafzimmertüre auf den Balkon öffnete, flog ein wunderschöner Schmetterling zu mir herein. Für mich wieder ein Zeichen : Hallo Mama, ich bin immer bei dir.
Nach der Messe werden sie alle einen kleinen gehäkelten Schmetterling bekommen. Diese Schmetterlinge hat die Mutter von Pfarrer Büchel hergestellt. Nochmals ein riesengroßes DANKE!
Mein spannendes Leben ging weiter. Ich konnte mich nun ganz auf die Arbeit im Schulheim konzentrieren, da die beiden anderen Töchter mich nicht mehr so brauchten.
Es kam dann die Scheidung von meinem Mann und kurz darauf wurde meine erste Enkeltochter geboren. In der Zwischenzeit habe ich vier wunderbare Enkel, die ich über alles liebe und viel Zeit mit ihnen verbringe.
Ja und dann kam vor 7 Jahren die nächste Herausforderung : bösartiger Tumor in der Brust – Operation, Chemotherapie, Bestrahlung. Auch durch diesen Prozess ging ich mit viel Selbstvertrauen, dass alles gut wird. Meine Familie und mein Beruf waren mir eine wertvolle Stütze. Und von irgendwo bekam ich eine Kraft, dass ich in dieser Zeit auch fast immer im Schulheim war.
Und jetzt noch einmal im November letzten Jahres, wieder Tumor in der anderen Brust, allerdings eine andere Form als vor 7 Jahren. Wieder Operation und Bestrahlung. Und wieder war da eine Kraft, die mich voller positiver Gedanken durch diese Zeit begleitete. Manche Menschen können nicht glauben, dass ich trotzdem (eigentlich könnte ich ja schon seit ein paar Jahren in Pension gehen) noch arbeite.
Die Arbeit im Schulheim ist für mich kein Job, sondern eine Berufung. Ich bin jeden Tag gerne im Schulheim, ich unterstütze die Lehrpersonen und bin für die Kinder und ihre Familien da.
Ich stelle fest, dass ich nach jeder Herausforderung in meinem Leben im Nachhinein sagen kann : Es war für etwas gut. Ich bekam die Kraft durch diese Zeit durch zu gehen. Meine positive Einstellung dem Leben gegenüber hilft mir vieles leichter zu überstehen.